Wach für die eigene Sprache

Kommunikation fängt bei dir selbst an. Die Art, wie du kommunizierst, beeinflusst die Art, wie du denkst und handelst. Denn mit der Sprache gibst du deinem Gehirn Anweisungen, um in Handlung zu kommen.


Über Jahrzehnte haben sich kleine Wörtchen in die Alltagssprache eingeschlichen. Diskret und unauffällig manipulieren sie unbewusst deine Gedanken und geben deinem inneren Schweinehund immer wieder eine Ausrede, sich nicht zu ändern, nicht zu handeln, oder verursachen unnötig Konflikte.


  1. Eigentlich... oder eigentlich nicht?

  2. Aber nährt Konflikte und Missverständnisse

  3. Eine achtsame Kommunikation antrainieren

 

Eigentlich... oder eigentlich nicht?


Das Wort "eigentlich" wird üblicherweise verwendet, wenn etwas sein oder passieren sollte. Du weißt genau, was du willst oder geplant hast. Gleichzeitig eröffnet das Wort "eigentlich" die Möglichkeit, dass du in deinem Handeln abweichst, dass du deine Absicht über den Haufen wirfst.


"Ich ernähre mich eigentlich vegan..."

"Ich bin eigentlich auf dem Weg ins Fitnessstudio..."


Wenn du eine klare Aussage machen willst, kannst du das Wort "eigentlich" einfach weglassen. Alternativ kannst du es auch durch „tatsächlich" ersetzen, wenn es deine Kommunikation zu flach klingen lässt.


"Ich ernähre mich tatsächlich vegan".

"Ich bin auf dem Weg ins Fitnessstudio“


Merkst du einen Unterschied? Deine Kommunikation wirkt sofort aussagekräftiger.



"Aber" nährt Konflikte und Missverständnisse


In der Kommunikation drückt das Wort "aber" Gegensätzliches aus. Die Information vor dem "aber" wird relativiert, erscheint unwichtig oder unglaubwürdig. Dein eigenes Gehirn blendet zum Beispiel deine positiven Gedanken mit dem "aber" aus:


"Es war ein sehr gutes Gespräch, aber jetzt würde ich noch was arbeiten".


Durch das "aber" wird das Angenehme nämlich völlig in den Hintergrund gedrängt und so versetzt dich dein Gehirn leichter in stressige und unangenehme Gefühle.


Vor allem im Dialog wird ein Gegenargument oft mit "ja, aber" beginnen. Spüre genau hin: ein "Ja, aber" gibt deinem Gesprächspartner das Gefühl, dass er oder sie im Unrecht ist oder etwas nicht bedacht hat. "Aber" bewertet und stellt den eigenen Standpunkt in Gegensatz zum anderen oder sogar über den anderen. Dadurch kann es leicht zu Konflikten und Missverständnissen kommen.


"Ich habe dieses Rezept zum ersten Mal ausprobiert. Hat es dir geschmeckt?..."

"Ja, aber ich hätte ruhig mehr davon essen können!".


"Wir könnten heute die neue Pizzeria in der Straße XY ausprobieren".

"Ja, aber um die Ecke hat auch ein veganes Restaurant eröffnet".


"Ich plane, zwei Flüchtlinge in unserem Unternehmen zu beschäftigen".

"Ja, aber sie brauchen auch freie Zeit für die Sprachschule"


Ein angenehmes Gespräch beruht auf gegenseitigem Zuhören und Akzeptanz. Eine kleine Änderung kann schon viel bewirken: Ersetze "aber" durch "und", und es entwickelt sich eine lösungsorientierte Diskussion auf Augenhöhe! Denn das "und" verbindet, es stellt zwei Standpunkte nebeneinander und unterstreicht die Gleichwertigkeit.


Lass uns es mal mit den oberen Sätzen ausprobieren:

"Ja, und ich hätte ruhig mehr davon essen können!".

"Ja, und um die Ecke hat auch ein veganes Restaurant eröffnet".

"Ja, und sie brauchen auch freie Zeit für die Sprachschule"


Merkst du einen Unterschied? Nur weil du zwei kleine Worte ausgetauscht hast, fühlen sich diese Sätze sofort positiver an und es können plötzlich konstruktivere Gespräche geführt werden!



Eine achtsame Kommunikation antrainieren


Du willst diesen Effekt in deine Kommunikation integrieren? Dein Gehirn kann schnell lernen! Am besten konzentrierst du dich darauf, diese 2 Wörter in einem bestimmten Gespräch nicht zu benutzen. Fühlt sich das anfangs seltsam/künstlich an? Keine Angst, dein Gegenüber wird es meistens nicht bewusst wahrnehmen! Beobachte am Ende des Gesprächs, wie du dich fühlst und wie die andere Person sich fühlt.


Sobald du positive Veränderungen bemerkst, wird dein Gehirn schnell lernen, diese kleinen Worte aus deiner Kommunikation zu verbannen. Denn der Effekt in Bezug auf eine klare Kommunikation und auch das Gefühl, stimmige, konstruktive Aussagen zu machen, ist unglaublich befriedigend!