Die Blütezeit der Tagesgastronomie hat begonnen

Von der gelegentlichen Abwechslung zur täglichen Notwendigkeit


Zeit zum Durchatmen gibt es nach 2 Jahren Pandemie nach wie vor nicht. An den Strukturen wird weiter fleißig gerüttelt, denn die Kostendynamik (ob Energie, Transport, Lebensmittel, Löhne) ist heute so unberechenbar wie nie zuvor.

Gastronom:innen stehen vor der Frage, wie es weitergehen soll. Doch Erschütterung muss dabei nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten, solange wir den Wandel annehmen oder - noch besser – als Chance verstehen.

Um jedoch Antworten für das eigene Gastro-Konzept zu finden, sollten wir zunächst die Szene zum aktuellen Zeitpunkt betrachten. Während die Abendgastronomie langsam immer mehr zu einem Gelegenheitserlebnis wird, nimmt die Tagesgastronomie einen ganz neuen Platz im Alltag ein. Und genau das schauen wir uns heute gemeinsam an.

Wie hat sich das Essverhalten der Gäste verändert? Wie müssen sich Konzepte aufstellen, um tagsüber wirklich gut zu laufen? Und was können Gastronomen von ihren Gästen abverlangen?


  1. Neue Bedürfnisse in einem flexibleren Alltag

  2. Selbst- oder Tischbedienung?

  3. Mini-Mahlzeiten für hier oder zum Mitnehmen?

  4. Wertschätzung für gesundes Essen

 

Neue Bedürfnisse in einem flexibleren Alltag

Mit der Etablierung des Home-Office-Alltags in den meisten Unternehmen beobachten wir eine deutliche Verschiebung der Rolle der Betriebskantinen hin zur Tagesgastronomie. Bei der Arbeit von zu Hause aus, fehlt es oft an Zeit, Motivation und Kreativität, um täglich frisch zu kochen.

Die Trennung von Beruflichem und Privatem verschmilzt. War vor einigen Jahren noch das Geschäftsessen der Anlass für einen mittäglichen Restaurantbesuch, so suchen die Gäste heute eher eine kommunikative, ungezwungene Wohnzimmeratmosphäre.

Kleine Cafés und Lunch-Restaurants sind beliebter denn je. Sie ermöglichen es wieder, sich "im richtigen Leben" zu treffen und zu kommunizieren und geben den Gästen einen Anreiz, wenigstens einmal am Tag die eigene vier Wände der Wohnung zu verlassen und sich zu bewegen.

Mit dem Rückgang der Kantinenbesuche sind auch die Zeiten, in denen man sich jeden Tag mit Freund:innen und Kolleg:innen zum gemeinsamen Mittagessen traf, seltener geworden. Die Zeit zum Essen ist nicht nur spontaner, sondern auch mobiler geworden.

Doch in einem immer schnelllebigerem Alltag suchen wir nach Stabilität und Struktur. Der tägliche Besuch im Café, die persönliche Beziehung zum Servicepersonal und die zwanglose Pause in dem kleinen Restaurant werden zu einer neuen Routine, die einen Moment der Achtsamkeit in den Tag bringt.

Selbst- oder Tischbedienung?

In Kantinen sind Selbstbedienung und Bezahlung vor dem Essen gang und gäbe. Doch lässt sich das auch in einem Café oder Restaurant umsetzen?

Auch wenn in Restaurants - im Gegensatz zu Kantinen - der persönliche Service am Tisch bevorzugt wird, sind die Gäste in der Mittagspause oder bei den Zwischenmahlzeiten offen und passen sich schnell an moderne Konzepte an. Hauptsache, es schmeckt gut, ist frisch und wird schnell serviert!

Neue digitale Innovationen wie das Bestellen und Bezahlen per QR-Code mit dem Smartphone entlasten das Servicepersonal und die Küche kann viel schneller mit der Zubereitung der Bestellung beginnen. Win Win. Das Bedienen am Tisch bleibt dennoch ein gern gesehenes Vergnügen!

Mini-Mahlzeiten für hier oder zum Mitnehmen?


Mit dem Rückgang der Kantinenbesuche ist das Mittagessen nicht mehr an feste Zeiten gebunden. Der Trend geht zu mehreren Mini-Mahlzeiten für zwischendurch, die preiswert, gesund und genussvoll zugleich sein können.

Sogenannte „Mimas“ - für Mini-Mahlzeiten - kommen kleinen Cafés und Restaurants zugute, die früher in den Stoßzeiten auf die Anzahl der Sitzplätze beschränkt waren und sich nun den ganzen Tag über eine bessere Auslastung an Gästen freuen können.

Heute isst man, wenn man Zeit, Lust oder Hunger hat, und genießt – auch allein – immer häufiger einfach eine kleine Mahlzeit zwischendurch. – Hanni Rützler, Food-Trends-Forscherin

Auch Snacks wie Sandwiches, Bagels oder gesunde Bowls, die einfach unterwegs verzehrt werden können, sind zunehmend gefragt. Doch das bedeutet auch, dass Cafés und Restaurants zunehmend Konkurrenz von Bäckereien, Imbissbuden und Supermarkttheken werden denn Essen „auf die Hand“ ist sehr beliebt. Big Player und kleine, individuelle Läden treffen auf dem Spielfeld der Mini-Mahlzeiten aufeinander und bieten die unterschiedlichsten Antworten.

Kleine Cafés und Restaurants können sich mit einer klaren Werteorientierung von der Konkurrenz abheben. Zum einen punkten sie mit einer persönlichen Beziehung zwischen Gast und Servicepersonal, die die Wartezeit zu einer angenehmen Pause machen kann. Zum anderen geben sie dem Thema Nachhaltigkeit eine Bühne, indem sie mit frischen Zutaten arbeiten und ihre Produkte auch in nachhaltigen (Mehrweg-)Verpackungen "auf die Hand" anbieten - wesentliche Aspekte, die vielleicht schon bei der Gestaltung der Speisekarte berücksichtigt werden.



Wertschätzung für gesundes Essen


All-You-Can-Eat für 10€ gehören zum Glück fast der Vergangenheit an. Das Bewusstsein für gesunde Ernährung - sowohl für den Körper als auch für die Umwelt - nimmt rasant zu. Die Gäste verlangen heute gute, ausgewogene Mahlzeiten, die den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgen und leicht verdaulich sind.


Laut DEHOGA werden die Gäste immer preis- und gesundheitsbewusster und zahlen für frische, saisonale Lebensmittel bis zu dreimal so viel wie für Billigangebote. Sie sind bereit, mehr in die eigene Tasche zu greifen, wenn sie sich dafür den ganzen Tag fit fühlen.


Auch der Fleischkonsum ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Nicht nur Veganer:innen und Vegetarier:innen ernähren sich heute bewusster, auch das Motto "gutes Fleisch oder gar kein Fleisch" setzt sich in der Gesellschaft durch. Der Gast interessiert sich nicht nur für das Gericht, sondern auch für die Herkunft der Zutaten.


Moderne Konzepte punkten somit mit saisonalen Gerichten und frischen und regionalen Zutaten. Kreativität auf dem Teller und eine wechselnde Speisekarte ersetzen mehr und mehr täglich gleiche Standardgerichte.


„Solange Qualität und Frische stimmen, werden aus Kunden Stammkunden.“

Mainstream war gestern - heute suchen die Gäste nach Konzepten mit Identität. Jedem Trend hinterherzulaufen, führt zu mehr Verwirrung als Begeisterung. Eine klare Positionierung und Identität sind Erfolgsfaktoren. Wenn Gastgeber:in und Mitarbeiter:innen vom eigenen Konzept begeistert sind, dann werden es auch die Gäste sein!


 

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